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Wie Sie Ihre Blut-Laborwerte richtig interpretieren

Basiswissen Diagnostik

Blutprobenbehälter und Auswertungsblatt

© Henrik Dolle - 123rf.com

Wenn Ihr Arzt Ihnen Blut abnimmt, um ein kleines oder großes Blutbild zu machen, erfahren Sie ein paar Tage später meist nicht mehr als „alles in Ordnung“ oder „Ihr XY-Wert war etwas zu hoch, da sollten wir aufpassen“. Ich empfehle Ihnen, sich die Laborergebnisse auch schriftlich geben zu lassen und selbst einmal nach dem Rechten zu schauen. Hier erfahren Sie, wann welche Werte zu hoch oder niedrig sind und was das bedeutet.

Kennen Sie den Unterschied zwischen kleinem und großem Blutbild?

Unser Blut enthält einen flüssigen Anteil, das sogenannte Blutplasma, in dem Elektrolyte wie Kalium und Magnesium und Gerinnungsfaktoren gelöst sind. Im Blutplasma schwimmen zudem die verschiedenen Blutkörperchen. Diesen festen Anteil bezeichnet der Mediziner als Hämatokrit. Beim kleinen Blutbild wird die Zahl der roten Blutkörperchen (Erythrozyten), der Blutplättchen (Thrombozyten) sowie die Gesamtzahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) gezählt. Zusätzlich werden der bereits erwähnte Hämatokrit und der Hämoglobinwert – die Menge des roten Blutfarbstoffs – erhoben. Das große Blutbild enthält zusätzlich das Differenzialblutbild, bei dem auch die Menge der verschiedenen Untergruppen der weißen Blutkörperchen ermittelt wird: Granulozyten, Monozyten und Lymphozyten.

Diese Werte sind am wichtigsten

Ist der Hämatokrit erhöht, so ist das Blut zu dickflüssig. Folge: Es kann leichter verklumpen und Herzinfarkt oder Schlaganfall auslösen. Die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und der in ihnen eingelagerte rote Blutfarbstoff (Hämoglobin) sind für den Transport von Sauerstoff und Kohlendioxid verantwortlich. Beide Werte sollten sich innerhalb des Normbereichs bewegen, da ansonsten die Versorgung mit dem lebenswichtigen Sauerstoff und die Entsorgung des Abfallstoffs Kohlendioxid nicht gesichert sind.

Die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) werden auch gern als „Körperpolizei“ bezeichnet. Zu viele Leukozyten deuten z. B. auf entzündliche oder allergische Vorgänge hin. Bei Auffälligkeiten lässt der Arzt auch die Untergruppen der Leukozyten bestimmen, die genauer auf Erkrankungen schließen lassen. Die Blutplättchen (Thrombozyten)spielen eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung. Ihre Anzahl ist bei einer Vielzahl von Krankheiten erhöht oder erniedrigt (z. B. Infektionen, Milzerkrankungen, Krebs) und gilt deshalb als wichtiger Indikator, der eine weiterführende Diagnostik erfordert.

Wie schnell gerinnt Ihr Blut?

Üblicherweise wird Ihr Arzt beim Check-up nicht nur das kleine – und falls erforderlich das große – Blutbild machen lassen, sondern darüber hinaus Gerinnungsparameter, Entzündungswerte, den Blutzuckerwert, Blutfette und Leberwerte und das Schilddrüsenhormon analysieren lassen. Der sogenannte Quickwert gibt Auskunft über die Gerinnungsfähigkeit des Blutes. Einen sehr groben Anhaltspunkt auf entzündliche Prozesse im Körper bildet die Blutsenkungsgeschwindigkeit: Je höher der Wert, desto wahrscheinlicher die Entzündung. Auf Dauer erhöhte Blutzuckerspiegel bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) führen zu schweren Schäden an Blutgefäßen und Augen.

Cholesterinspiegel zu hoch? Lassen Sie sich nicht kirre machen!

Zwar wird die Aussagekraft vor allem des Gesamtcholesterinspiegelssowie des LDLCholesterin-Werts in den letzten Jahren zu Recht immer stärker in Zweifel gezogen. Dennoch gehören diese Werte sowie das HDLCholesterin und die Triglyceride als Hinweisgeber auf eine Störung des Fettstoffwechsels zu den Standards der ärztlichen Blutuntersuchung. Sollten die Werte erhöht sein, lassen Sie sich bloß nicht gleich Statine verschreiben (siehe auch Patientenschutzbrief VERTRAULICH 8/2016). Besprechen Sie mit Ihrem Arzt unbedingt alle Alternativen!

Achten Sie auf Ihre Leberwerte!

Extrem wichtig sind die Leberwerte, die an den Enzymen Alanin-Aminotransferase (ALT) und Aspartat-Aminotransferase (AST) festgemacht werden. Dabei zeigt ALT bereits leichte Leberschäden an, für abnorme AST-Werte hingegen muss die Leber schon stärker geschädigt sein. Da die Leber DAS Stoffwechsel- und Entgiftungsorgan des Körpers und absolut unverzichtbar ist, sollten Sie erhöhte Leberwerte sehr ernst nehmen. Neben genauer Kontrolle ist es wichtig, virale Leberentzündungen (Hepatitis) auszuschließen und ihr durch Alkoholverzicht Zeit zur Regeneration zu geben. Ebenfalls wesentlich für den Energiestoffwechsel ist unsere Schilddrüse, genauer, die von ihr hergestellten Hormone (TSH). Zu viel davon wirkt wie ein Stoffwechselturbo, zu wenig macht schlapp und müde.

Lassen Sie auch diese Elektrolyte und Vitamine messen

Folsäure, Vitamin B12, Vitamin D3, Kalium, Kalzium, Magnesium und Natrium werden bei einer Blutanalyse nicht automatisch analysiert. Gleichwohl sind diese Stoffe, die wir – abgesehen von Vitamin D3, das auch in der Haut unter UV-Licht hergestellt wird – mit der Nahrung aufnehmen, von besonderer Wichtigkeit für unsere Gesundheit. Folsäure und Vitamin B12 etwa beugen Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor, ohne ausreichend Vitamin D und Kalzium werden unsere Knochen mürbe, Kalium ist wichtig für die Muskeln, einen gesunden Blutdruck und den Herzrhythmus, Magnesium beeinflusst den Energiehaushalt jeder einzelnen Zelle und Natrium unterstützt die Herzarbeit und die Nervenleitfähigkeit.

Mein Tipp: Fragen Sie Ihren Arzt, ob er Ihr Blut im Rahmen einer normalen Vorsorgeuntersuchung analysieren lassen kann.

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