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Was Sie tun können, um einen tödlichen Aortenriss zu vermeiden

Was Sie im Ernstfall wissen müssen

Aorta

© Sohel Parvez Haque - 123rf.com

Hierzulande sterben Jahr für Jahr mehr als 4.000 Menschen an einem Riss der Aorta. Männer sind doppelt bis dreimal so häufig davon betroffen als Frauen. Was dabei genau passiert, ob und welche Frühwarnzeichen es gibt und wie man einem solchen Gefäß-Notfall generell vorbeugen kann, erfuhr BENEFIT von Professor Cam Patterson, Gefäßmediziner an der Universität North Carolina/USA.

Neueste statistische Auswertungen belegen, dass die Überlebensrate sich dramatisch verbessert, wenn die Betroffenen die damit verbundenen Symptome richtig zu deuten wissen und sofort eine notärztliche Versorgung anfordern. Häufig ist es sogar möglich, durch eine einfache Untersuchung die Schwächung der Gefäßwände frühzeitig zu erkennen und einem Aortenriss vorzubeugen.

Was Sie im Ernstfall wissen müssen, um Ihr eigenes Leben oder das eines Betroffenen zu retten

Die Aorta hat in etwa den Durchmesser eines Gartenschlauchs. Sie führt aus der linken Herzkammer zunächst nach oben in den Brustraum und steigt dann in den Beckenbereich ab. Mit einer Länge von insgesamt 30 bis 40 cm versorgt sie als Hauptleitung alle Organe, Muskeln und Gewebe mit Blut, Nährstoffen und Sauerstoff.

Oft geht einem Aortenriss ein Aneurysma voraus, eine ballonartige, mit Blut gefüllte Auswölbung an einer geschwächten Stelle der Aortenwand. Dabei kommt es zu einer Aufspaltung der arteriellen Gefäß- wandschichten, sog. Aorten-Dissektion, woraus sich ein Aneurysma bilden kann. Wird es nicht erkannt bzw. nicht behandelt, tritt bei 15 bis 20 Prozent der Betroffenen innerhalb kurzer Zeit (wenige Minuten bis wenige Tage) ein akuter Riss der Aorta ein.

Wie kündigt sich ein Aortenriss an?

Die Symptome bei einem Aneurysma ähneln häufig denen eines Herzinfarkts. Die meisten verspüren einen Schmerz im Brustbereich, manchmal auch im Nacken oder Rücken, die sie als „kurzes Reißen“ beschreiben. Weitere

 

Symptome sind Übelkeit, Kurzatmigkeit und Schweißausbrüche, auch Ohnmacht 

durch abrupt sinkenden Blutdruck. Es gibt jedoch 

Betroffene, die über so gut wie gar keine Befindlichkeitsstörungen berichten, allenfalls über solche, die auch bei Verdauungsprobleme

n auftreten und daher als solche fehlgedeutet werden. Typischerweise treten aber die erwähnten Befindlichkeitsstörungen auf, die der Arzt mittels MRT oder CT abklärt. Zudem kann er mit einem Echokardiographen, dessen Sonde in die Speiseröhre eingeführt wird sowie mittels Ultraschall ein Abbild des Herzens und seiner Umgebung vermittelt, den Befund sichern. Gut zu wissen: Mittels EKG oder Röntgen des Brustraums kann ein Aneurysma nicht erkannt werden!

Was kann der Arzt tun?

Ein Aneurysma ist immer ein Fall für den Chirurgen. Ihm stehen zwei Möglichkeiten zur Auswahl:

offene OP

Dabei wird der Brustraum geöffnet und der betroffene Teil der Arterie durch eine Kunststoffröhre ersetzt. Der Eingriff ist kompliziert, doch über 90 % der Patienten überleben, wenn der Patient rechtzeitig eingeliefert wird und der Chirurg diese OP sicher beherrscht. Sie wird meist dann angewandt, wenn der Schaden im aufsteigenden Ast der Aorta aufgetreten ist, was auf etwa die Hälfte aller Fälle zutrifft.

Einbringen eines Stents

Ein Stent ist ein Röhrchen aus Metall oder Kunststoff, welches mittels eines Katheters in das Blutgefäß platziert wird, den Riss abdichtet und im weiteren Verlauf mit der Aortenwand verwächst. Dieses Verfahren ist für den Patienten weitaus schonender: Er erholt sich schneller, und die Gefahr von Nierenschäden oder neurologischen Komplikationen, die bei einer offenen OP immer gegeben ist, ist bei dem Stent-Verfahren sehr viel geringer. In einer dreijährigen Studie, bei der 28.000 Patientenakten ausgewertet wurden, fanden die Wissenschaftler heraus, dass der Anteil der Patienten, die infolge einer dieser Operationen im Krankenhaus starben, bei der offenen OP bei 5,2 % und bei der Stent-Methode nur bei 1,9 % lag. Wenn wegen anderer Erkrankungen oder eines schlechten Allgemeinzustands des Patienten keine OP möglich ist, kommen blutdrucksenkende und Schmerzmittel zur Anwendung. Der Blutdruck muss dann exakt eingestellt und regelmäßig kontrolliert werden, zudem ist alle sechs bis zwölf Monate ein Kontroll-CT oder -MRT erforderlich.

Vorbeugung – die beste Möglichkeit, mit dieser tödlichen Gefahr umzugehen

Ultraschallkontrolle

Weil die Aorten-Dissektion fast immer mit einem Aneurysma einhergeht, beginnt der erste Schritt der Vorbeugemaßnahmen mit einer Ultraschalluntersuchung. Professor Patterson rät jedem, ab dem 60. Lebensjahr alle zwei bis drei Jahre einen Aorten-Check mittels Ultraschall machen zu lassen. Wenn Sie rauchen oder familiär vorbelastet sind, sollten Sie auch schon früher, etwa ab dem 40. Lebensjahr, damit beginnen. Da es sich hierbei um eine individuelle Gesundheitsleistung handelt, müssen Sie als gesetzlich Krankenversicherter diese Untersuchung aus eigener Tasche bezahlen (Kosten für diese so genannte „Gefäßdiagnostik“: ca. 100 €).

Bei Risikogruppen sollte die Therapie so früh wie möglich einsetzen

Ein Aneurysma wächst normalerweise sehr langsam, etwa um 0,25 mm pro Jahr. Kleine Aneurysmen werden nie so groß werden, dass sie eine ernsthafte Gefahr darstellen. Prof. Patterson empfiehlt das vorbeugende Einbringen eines Stents daher erst bei einer Größe ab 2,5 cm. Dennoch ist die Versorgung mit einem Stent bereits zum Zeitpunkt der Diagnose die sicherste Maßnahme, speziell bei erblich Vorbelasteten, bei Hochdruckpatienten und beim Vorliegen eines so genannten Marfan-Syndroms, einer krankhaften Instabilität des Bindegewebes und der Arterien.

Halten Sie Ihren Blutdruck in Schach

Neben dem Nichtrauchen sind die Kontrolle und gegebenenfalls korrekte Einstellung des Blutdrucks die besten Vorsorgemaßnahmen. Dabei soll ein Blutdruck von 120/80 mmHg angestrebt werden.

Oft übersehener Risikofaktor: Blutfett

Am häufigsten von einem Aneurysma betroffen sind Menschen mit einer bestehenden Arteriosklerose. Man nimmt an, dass hohe Cholesterinwerte fettige Ablagerungen begünstigen, die die Gefäßwände schwächen. Gesunde Cholesterinwerte (Normalbereiche: Gesamt-Cholesterin unter 200 mg/dl, LDL-Cholesterin unter 155 mg/dl, HDL-Cholesterin mindestens 35 mg/dl) sind deshalb auch ganz im Sinne Ihrer Hauptschlagader.

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