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Was Ihnen bei einer schmerzhaften nichtbakteriellen Blasenentzündung hilft

richtige Diagnose

Frau mit Bauchschmerzen

© Ulrike Schanz

Bei einem schmerzhaften Blasensyndrom, medizinisch als Interstitielle Zystitis bezeichnet, ist die Blaseninnenwand chronisch entzündet, ohne dass sich Bakterien als Verursacher nachweisen lassen. Über mögliche Ursachen und Therapien dieser äußerst schmerzhaften Erkrankung, die die Betroffenen bis zu 70-mal am Tag auf die Toilette treibt, erfuhr BENEFIT mehr von Professorin Kristene Whitmore, Urologin und Institutsdirektorin an der University of Philadelphia/USA.

Neueste Forschungsergebnisse

bringen etwas Licht in den Entstehungsmechanismus der abakteriellen Blasenentzündung: Wird die isolierende Schleimschicht der Blasenauskleidung geschädigt, können Bestandteile des Urins in tiefere Gewebeschichten der Blase eindringen und dort zu Reizungen der Nervenfasern führen. In diesem Fall lösen bereits geringe Mengen Harn einen starken Harndrang aus. Die daraus resultierenden Krämpfe der Schließ- und Beckenbodenmuskulatur sprechen nicht auf herkömmliche krampflö- sende Medikamente an. Die Ergebnisse einer weiteren Studie lassen vermuten, dass auch die Ernährung eine maßgebliche Rolle spielt.

Wie Sie die richtige Diagnose bekommen

Wenn Sie öfter als achtal täglich zur Toilette müssen und nachts öfter als zweimal, sollten Sie Ihren Hausarzt aufsuchen. Er wird Sie möglicherweise an einen Urologen überweisen. Da die abakterielle Blasenentzündung Symptome aufweist, die auch von anderen Erkrankungen hervorgerufen werden (beispielsweise Harnwegsentzündungen, Nierensteine oder Blasenkrebs), wird der Facharzt zur Abklärung folgende Untersuchungen vornehmen:

Harnuntersuchung auf Bakterien,

um eine Harnwegsinfektion auszuschließen.

Kaliumchlorid-Test,

hierbei werden via Katheter wechselweise Wasser und eine Kaliumlösung in die Blase geleitet. Patienten mit einer abakteriellen Blasenentzündung verspüren bei der Kaliumlösung unmittelbar einen verstärkten Harndrang.

Zystoskopie.

Dabei untersucht der Arzt den Harnweg und die Blase mit einer Sonde, die ein Betrachten der Harnwege sowie die Entnahme einer Gewebeprobe erlaubt. So kann Blasenkrebs ausgeschlossen werden.

Computertomographie (CT),

um Nierensteine als Ursache auszuschließen.

So helfen Sie sich selbst

Bis zu 91 Prozent aller Betroffenen verspüren mehr Beschwerden, wenn sie bestimmte Nahrungsmittel zu sich nehmen. Diese Nahrungsmittel reizen Nerven im Darmund/oder Blasenbereich. Ihre wichtigsten Strategien:

1. Vermeiden Sie bestimmte Nahrungsmittel

bzw. -inhaltsstoffe, die solche Reizungen nachweislich hervorrufen. Dazu gehören Kaffee, kohlensäurehaltige Getränke, Zitrusfrüchte und Vitamin-C-reiche Kost. Die meisten Patienten reagieren darüber hinaus auch auf scharf gewürzte Gerichte, säurehaltige Lebensmittel (Tomaten, Zitronensaft, Essig) und Alkohol.

2. Begehen Sie nicht den Fehler, weniger zu trinken!

Die meisten Betroffenen schränken ihre Flüssigkeitsaufnahme mehr unbewusst als bewusst ein, um den lästigen Harndrang zu vermeiden. Damit wird jedoch das Gegenteil bewirkt. Weniger Trinken sorgt für einen konzentrierteren Harn und macht die Beschwerden nur noch schlimmer. Trinken Sie daher tagsüber immer etwas Wasser, insgesamt 2 bis 2,5 Liter.

3. Trainieren Sie Ihren Beckenboden.

Wenden Sie sich an einen in Beckenboden-Gymnastik erfahrenen Physiotherapeuten oder Heilpraktiker. Er übt mit Ihnen Bewegungstechniken ein, die den quälenden Harndrang und Ihre Unterleibsschmerzen lindern können.

4. Trainieren Sie Ihre Blase.

Gehen Sie nicht sofort zur Toilette, wenn der Harndrang einsetzt, sondern setzen Sie sich Zeitvorgaben. Beginnen Sie zunächst mit 30-Minuten-Intervallen, und verlängern Sie die Abstände kontinuierlich.

5. Reduzieren Sie Ihre Stressbelastung.

In Frage kommen spezielle Übungen wie Yoga oder Pilates ebenso wie ein Wannenbad oder ein Waldspaziergang.

Was tun, wenn Ihre Schmerzen nicht nachlassen?

Wenn die bisher beschriebenen Maßnahmen nicht ausreichen, Sie von Ihren Beschwerden zu befreien, fragen Sie Ihren Arzt nach entsprechenden Medikamenten. In Frage kommen vor allem zwei Wirkstoffgruppen: Pentosanpolysulfat (Handelsname: Fibrenzym) kann helfen, die defekte Schleimhautschicht in der Blase wieder aufzubauen. Der Wirkstoff hilft jedoch nicht allen Patienten. Zudem ist Geduld gefragt. Erst nach einer Einnahmedauer von vier Monaten lassen die Schmerzen merklich nach, und es kann bis zu sechs Monaten dauern, den Harndrang zu vermindern. Als Nebenwirkungen können Durchfälle auftreten, zudem sollte bei Langezeiteinnahme die Leberfunktion überwacht werden. Trizyklische Antidepressiva wie Amitryptilin (Saroten) oder Imipramin (Tofranil) entspannen die Blasenmuskulatur und reduzieren die Schmerzen. An Nebenwirkungen bekannt sind Verstopfung und trockener Mund. Der Wirkstoff hilft den meisten Betroffenen bereits in geringen Dosen. In besonders schweren Fällen und bei langjährigem Bestehen der Erkrankung kann der Arzt eine Blasenspülung mit einem Betäubungsmittel wie Lidocain (Xylocain) vornehmen. Der Effekt hält eine Woche an und kann bis zu sechsmal wiederholt werden. Diese Behandlung wird vor allem bei Patienten eingesetzt, die eine Periode besonderer Belastung durch die Erkrankung durchmachen. Im Frühstadium der Erkrankung werden mit der Instillation (tröpfchenweises Einbringen) von Hyaluronsäure, einer körpereigenen Substanz mit schleimhautschützender Wirkung, sehr gute Wirkungen mit Heilungsraten von bis zu 85 Prozent erzielt

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