Sie sind hier: Startseite » Gesundheit » Wellness » Suchterzeugende Schlafmittel werden allzu leichtfertig verschrieben

Suchterzeugende Schlafmittel werden allzu leichtfertig verschrieben

Was Sie auf natürliche Weise tun können

Mann wird in der Nacht wach und schaut auf seinen Wecker

© Cathy Yeulet - 123rf.com

Etwa 40 % der Patienten in Allgemeinpraxen leiden unter behandlungsbedürftigen Schlafstörungen, wobei unter den über 60-Jährigen mehr als jeder Zweite betroffen ist. Besonders häufig finden Frauen keine erholsame Nachtruhe – 2- bis 4-mal mehr als Männer. Für viele Ärzte ist die Sache schnell erledigt: mit einem Griff zum Rezeptblock. Wo früher noch die extrem suchterzeugenden Barbiturate verschrieben wurden, sind heute Benzodiazepine (z. B. Lormetazepam, Temazepam) oder sogenannte Z-Medikamente (Schlafmittel wie Zopiclon, Zolpidem, Zaleplon) angesagt. Es dauert bei ihnen zwar etwas länger, doch auch sie führen in die Abhängigkeit und sollten deshalb im Normalfall nicht länger als 1 bis 2 Wochen eingenommen werden, maximal jedoch 2 Monate.

Arzt und Patient – oder Dealer und Süchtiger?

Laut Arzneiverordnungsreport 2015 ist die Verschreibung von Benzodiazepinen als Schlafmittel rückläufig, während die von Z-Medikamenten leicht zunimmt. Doch der Schein trügt, denn der Report spiegelt nur jene Verordnungen wider, die über die gesetzlichen Kassen abgerechnet wurden, doch Benzodiazepine werden zunehmend auf Privatrezept verordnet, weiß Arzneimittelexperte Prof. Dr. Gerd Glaeske von der Universität Bremen. So ersparen sich Ärzte kritische Nachfragen seitens der Krankenkassen, und die Patienten geben gern die paar Euro aus – 10 Kapseln des Benzodiazepins Temazepam kosten zwischen 12 und 15 €. „Im Grunde begegnen sich Arzt und Patient hier strategisch und entlasten sich gegenseitig“, so Glaeske. Auch wenn die Abhängigkeit von Benzodiazepinen und Z-Medikamenten keine Dosiserhöhung wie bei anderen Drogen nötig macht, ist die Dauereinnahme der Medikamente extrem gefährlich, führt sie doch gerade bei Älteren oft zu Stürzen mit teils fatalen Folgen und einer Verkürzung der Lebenserwartung um etwa viereinhalb Jahre. Gute Gründe also, einmal auszuprobieren, ob es auch ohne Medikamente geht. So sollten Sie vorgehen:

Schritt 1: Klären Sie mit Ihrem Arzt mögliche Ursachen ab

Abgesehen davon, dass wir im Alter tatsächlich etwas weniger Schlaf benötigen als junge Leute, gibt es eine ganze Reihe von möglichen Ursachen, warum wir nicht ein- oder durchschlafen können. Dabei sind zwei von herausragender Bedeutung: eine Erkrankung, die möglicherweise Schmerzen verursacht, und Medikamente, die den Schlaf beeinträchtigen können. Im ersten Fall sollte der Arzt natürlich etwas gegen die Grunderkrankung tun, im zweiten Fall nach Möglichkeit ein anderes Medikament verordnen. Medikamente, die den Nachtschlaf beeinträchtigen können, sind z. B. Betarezeptorenblocker gegen Bluthochdruck, einige Schmerzmittel wie Ibuprofen und Diclofenac, Glukokortikoide wie beispielsweise Betamethason und Prednisolon sowie einige harntreibende Substanzen (Thiaziddiuretika).

Schritt 2: Reglementieren Sie Ihren Schlaf

Schlafen Sie an keinem Tag der Woche länger als 8 Stunden und halten Sie die gleichen Zubettgeh- und Aufstehzeiten ein – auf 30 Minuten genau und auch am Wochenende! Verzichten Sie auf Nickerchen nach 15 Uhr und beschränken Sie sich vor 15 Uhr auf maximal 20 bis 30 Minuten. Achtung: Wer abends vor dem Fernseher eindöst, muss sich nicht wundern, wenn er nachts nicht gut schlafen kann.

Schritt 3: Kein Alkohol am Abend!

Dass Sie am Abend auf koffeinhaltige und deshalb aufputschende Getränke wie Kaffee und Tee sowie Nikotin verzichten sollten, versteht sich eigentlich von selbst. Viele greifen aber abends gern zu einem Glas Wein oder Bier, um leichter einschlafen zu können. Das sollten Sie sein lassen. Denn Alkohol verschlechtert die Schlafqualität während der zweiten Nachthälfte drastisch.

Schritt 4: Sport oder kein Sport?

Natürlich ist es gerade bei Schlafstörungen gut, wenn Sie sich am Tag so viel wie möglich bewegen. Ob Sport am Abend aber Ihren Schlaf behindert oder nicht, müssen Sie ausprobieren. Bei manchen Menschen ist die Joggingrunde vor dem Zubettgehen das perfekte Schlafmittel, bei anderen wirkt sie wie eine intravenöse Koffeininjektion.

Schritt 5: Lassen Sie Ihr Bett einfach nur Bett sein

Ihr Bett ist für zwei Dinge da: zum Schlafen und für Sex. Fernsehen, arbeiten, grübeln, essen dürfen Sie überall, nur nicht im Bett.Menschen, die in der Regel gut schlafen, werden schon beim Anblick ihres Bettes müde. Bei Menschen mit chronischen Schlafstörungen hingegen steigt schon beim Anblick des Bettes der Blutdruck. Lassen Sie deshalb alles sein, was Ihr Bett zweckentfremdet, es beispielsweise zur Fernsehcouch oder zum Schreibtisch macht

Schritt 6: Achten Sie auf eine schlaffördernde Umgebung

Wir schlafen nicht gut, wenn es zu kalt ist, aber auch nicht in einem zu warmen Zimmer. Ideal ist eine Temperatur um die 16 Grad, nicht unter 14 und nicht über 18 Grad. Lassen Sie vor dem Zubettgehen noch einmal Frischluft ins Zimmer und sorgen Sie dafür, dass Sie nicht von Geräuschen gestört werden. Benutzen Sie notfalls Ohrstöpsel.

Schritt 7: Was Sie tun sollten, wenn Sie nachts wach werden

Schauen Sie nachts nicht auf den Wecker, wenn Sie wach werden, machen Sie kein helles Licht an und essen Sie nichts. Wenn es Ihnen unangenehm ist, einfach liegen zu bleiben und zu warten, bis Sie wieder einschlafen, stehen Sie auf und gehen Sie an einem anderen Ort bei gedämpftem Lichteiner ruhigen Tätigkeit nach (z. B. Lesen).

Schritt 8: Halten Sie Ihr persönliches Zubettgeh-Ritual ein

Führen Sie jeden (!) Abend direkt vor dem Zubettgehen in der stets gleichen Reihenfolge (!)Handlungen Ihrer Wahl aus. Es spielt keine Rolle, ob Sie die Heizungen herunterregeln und überall noch einmal lüften, die Zähne putzen oder ein Lied singen. Wichtig ist allein, dass Sie dieses Ritual jeden Abend in der gleichen Weise vollziehen. Das Ritual selbst wird dann so etwas wie ein Schalter, der bei Ihnen die Schlafbereitschaft einschaltet.

Schritt 9: Tanken Sie morgens helles Licht

Auch an bedeckten Tagen ist das Tageslicht deutlich heller als eine normale künstliche Raumbeleuchtung. Gehen Sie deshalb morgens am besten eine halbe Stunde spazieren. Das helle Licht und die Bewegung signalisieren dem Körper, dass es jetzt Zeit ist für das Wachmacherhormon Cortisol, so wie die Dunkelheit am Abend das Schlafhormon Melatonin herauskitzelt.

 

 

Kostenlose Insider-Tipps per E-Mail

Bleiben Sie mit meinem kostenlosen E-Mail-Newsletter "Dr. Kowertz vertraulich" ab sofort auf dem Laufenden und schützen Sie Ihr Geld, Ihre Gesundheit und Ihre Freiheit vor fatalen Folgen!

Datenschutz