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Nach einem Zeckenstich nicht nur an Borreliose denken!

Andere, ebenso gefährliche Infektionen werden vom Arzt oft übersehen

Nahaufnahme einer Zecke

© Sascha Preussner - 123rf.com

Bei einer Infektion nach einem Zeckenstich denkt jeder sofort an Borreliose. Viele – auch Ärzte – wissen gar nicht, dass Zecken eine ganze Reihe andere krank machende Organismen übertragen können. Diese so genannten Koinfektionen sind auch nach einer Antibiotika-Behandlung, der Standard Therapie bei Borreliose, meist noch vorhanden.

Viele Ärzte gehen fälschlicherweise davon aus, dass Betroffene, die positiv auf Borreliose getestet wurden, ausschließlich Borreliose haben, und sind oft ratlos, wenn die verordnete Antibiotika-Therapie nicht anschlägt. Welche anderen Erkrankungen ein Zeckenstich übertragen kann, wie Sie diese erkennen und welche Therapien dann am besten wirken, erfuhr BENEFIT von Dr. Richard Horowitz, Internist und Spezialist für von Zecken übertragenen Infektionskrankheiten in New York.

Eine versteckte Bedrohung

Etwa 25 % aller Borreliose-Infizierten entwickeln eine fortdauernde Infektion, die trotz Antibiotika Behand

lu

ng nicht abklingt. Selbst wenn die Infektion im Bluttest nicht mehr nachweisbar ist, leiden die Patienten dennoch an Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber, Konzentrationsschwäche sowie anderen Symptomen, die über Monate und Jahre andauern können. Viele Ärzte glauben, dass mit vier Wochen Antibiotika-Einnahme gegen die Borreliose das Problem erledigt sei. Doch nach den 28-jährigen Erfahrungen von Dr. Horowitz kommen Borreliose-Koinfektionen recht häufig vor, und viele Patie

nten leiden weiterhin unter den sich überlappenden chronischen bakteriellen und parasitären Koinfektionen.

Worauf Sie achten müssen

Haben Sie sich nach einem Zeckenstich an Borreliose infiziert, bitten Sie Ihren Arzt, auch die in 

unserer Übersicht genannten anderen Infektionsmöglichkeiten abzuklären. Achtung: Selbst dann, wenn der Borreliose-Standardtest negativ ausgefallen sein sollte, können Sie mit diesen Erregern infiziert sein! Sollte es Ihnen nach einem Monat Antibiotika-Therapie nicht besser gehen und zusätzliche Tests keine Hinweise auf eine Koinfektion ergeben, kann das daran liegen, dass 1. die Bluttests versagt haben oder 2. Sie eine oder mehrere Koinfektionen haben oder 3. Sie immer noch unter Borreliose leiden und die Behandlung fortgesetzt werden muss.

Besprechen Sie diese Möglichkeiten unbedingt mit Ihrem Arzt.

Da das Entzündungsgeschehen die Symptome der Borreliose und ihrer Koinfektionen verschlimmern kann, verschreibt Dr. Horowitz seinen Patienten den Wirkstoff Naltrexon (Handelsnamen z. B. Adepend, Nemexin). Er wird typischerweise bei Alkohol- und Drogenabhängigkeit eingesetzt, hilft aber in diesem Fall, die Entzündungen einzudämmen und das überreizte Immunsystem zu beruhigen.

Die häufigsten Borreliose-Koinfektionen nach einem Zeckenstich, ihre Diagnose und Therapie

Name der Erkrankung, Bedeutung

Babesiose

Eine sich ausbreitende, parasitäre Infektion, die malariaähnliche Symptome auslöst: Schüttelfrost, Schweißausbrüche, Fieber. Die Symptome können komplett verschwinden und nach Jahren wieder auftreten. Weitere Symptome: Kurzatmigkeit und unerklärlicher Husten

Diagnose

Mit einem Bluttest kann der Erreger (Babesia) festgestellt werden. Zur weiteren Differenzierung des Erregers stehen heute Gentests zur Verfügung

Therapie

Dr. Horowitz empfiehlt die rotierende Anwendung verschiedener Antibiotika mit Malaria-Medikamenten. Beispiel: Clindamycin (Handelsnamen z. B. Basocin, Zindaclin) kombiniert mit Azithromycin (Azyter, Zithromax) und/oder Sulfamethoxazol (Drylin, Bactrim)/Trimethoprim (Infectotrimet). Ebenfalls hilfreich: Kräuterextrakte von Artemisia (Wermut, Beifuß), Kurkuma-Nahrungsergänzungsmittel oder Extrakt der wilden Karde.

Name der Erkrankung, Bedeutung

Ehrlichiose/Anaplasmose

Eine bakterielle Infektion, die Kopfschmerzen, hohes Fieber, Muskelschmerzen und Abgeschlagenheit zur Folge hat. Sie gehört zu den häufigsten Koinfektionen einer Borreliose.

Diagnose

Die Infektion kann durch einen Antikörper-Bluttest diagnostiziert werden. Weitere Hinweise auf eine Erkrankung: reduzierte Leukozyten- und Thrombozyten-Zahl, erhöhte Werte bei den Leberenzymen GOT und Gamma-GT.

Therapie

Die Ehrlichiose kann relativ zuverlässig mit Antibiotika wie Doxycyclin (Antodox, Doxyhexal) und verwandten Tetracyclinen behandelt werden

Name der Erkrankung, Bedeutung

Bartonella

Bis vor wenigen Jahren nahm man an, dass diese Erkrankung nur von Katzen (Bisse, Kratzer) übertragen wird. Inzwischen ist klar, dass auch Flöhe, Fliegen und Zecken die parasitär lebenden Bakterien übertragen.

Diagnose

Typische Symptome sind Hautrötungen, Hautknötchen, geschwollene Lymphknoten bis hin zu starken Nervenschmerzen, Brennen, Kribbeln und Benommenheit. Die Erreger lassen sich durch einen Antikörper-Bluttest und Gentests diagnostizieren.

Therapie

Die Bartonella kann mit Doxycyclin, kombiniert mit Rifampicin (Eremfat, Rifa) oder anderen antibiotischen Wirkstoffen wie Chinolonen behandelt werden.

 

 

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