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Geheimwaffen im Kampf gegen Parkinson

Muskeltraining ist ebenso wichtig wie Medikamente!

Arzt hält Tafel mit "Parkinson Schriftzug" in der Hand

© Natalya Buzuevskaya - 123rf.com

Der beachtliche medizinische Fortschritt auf dem Gebiet der Parkinson-Therapie hat dafür gesorgt, dass die Betroffenen heute ein weitaus normaleres Leben führen können als noch vor wenigen Jahren. Alessandro di Rocco ist Neurologe und Leiter eines Parkinson-Forschungsinstituts in New York/USA. Von ihm erfuhren wir mehr – sowohl über die neuesten Forschungsergebnisse als auch über die „Geheimwaffen“, mit deren Hilfe Parkinson zwar nicht geheilt, sein Fortschreiten jedoch deutlich verlangsamt werden kann.

Mehr körperliche Aktivität – das ist für Parkinson-Patienten leichter gesagt als getan. Denn zu den typischen Symptomen dieser Erkrankung zählt neben dem Tremor (Schütteln der Gliedmaßen, des Kiefers und der Zunge) stets auch ein stark eingeschränktes Bewegungsvermögen. Hinzu kommen psychische Hemmschuhe wie Müdigkeit, Unbehaglichkeit und schwindendes Selbstvertrauen, was viele Betroffene zur Inaktivität und zum Rückzug aus dem sozialen Umfeld verleitet. Für sie hat Prof. di Rocco eine erfreuliche Botschaft: Ganz gleich, wie alt der Betroffene ist und in welchem Stadium der Erkrankung er sich befindet: Körperliche Aktivität lindert in jedem Fall die Symptome und bremst das Fortschreiten der Krankheit aus! Darüber hinaus reduziert Bewegung das Risiko für Folgeerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Krankheiten und Osteoporose. Zudem wirkt sie sich positiv auf die Stimmung, das Wahrnehmungsvermögen und das seelische Gleichgewicht des Patienten aus.

Raus aus der Abwärtsspirale!

Bei Parkinson-Erkrankten verlieren etliche Gehirnzellen ihre Funktion, speziell diejenigen, die für die Feinmotorik des Bewegungsapparats zuständig sind. Je weiter die Erkrankung fortschreitet, desto mehr schränkt sie das Bewegungsvermögen ein – Muskeln verhärten und versteifen sich, das Balancehalten und die Koordination selbst einfachster Bewegungsabläufe fallen zunehmend schwerer. Körperliche Aktivität kann diese Abwärtsspirale stoppen, indem sie im Gehirn die ramponierte „Software“ für das Zusammenspiel der Muskeln neu programmiert. Studien haben außerdem gezeigt, dass regelmäßige Bewegung das Wachstum von Gehirnzellen fördert und deren Verbindungen untereinander festigt. Aus Tierversuchen ist bekannt, dass fordernde Bewegung bei Parkinson den Untergang von Gehirnzellen stoppt und so vor Demenz schützen kann.

 

Welche Aktivitäten sind am besten geeignet?

Tai-Chi

Tai-Chi für Parkinson-Patienten machte Schlagzeilen durch eine kürzlich im The New England Journal of Medicine veröffentlichte Studie, wonach Tai-Chi die Balance und Beweglichkeit bei einer milden bis mittelschweren Ausprägung der Erkrankung signifikant verbessert. Gleichzeitig wurde die Sturzgefahr wesentlich reduziert. Tai-Chi beinhaltet u. a. langsame Bewegungen und Dehnübungen, wobei auch leichte Gewichte bewegt werden, die das Muskelwachstum und das Koordinationsvermögen verbessern.

Sportliche Betätigungen

Hier kommen für Parkinson-Betroffene vor allem Schwimmen und flottes Gehen in Betracht. In einer kleinen deutschen Studie, die im The Cochrane Database of Systematic Reviews erschien, konnte mit regelmä- ßigem Gehen auf dem Laufband sowohl die Gehgeschwindigkeit und die Schrittlänge verbessert als auch die Trittsicherheit normalisiert werden.

Angemessenes Krafttraining

In einer kleinen Studie der University of Illinois/USA konnten mit muskelaufbauenden Übungen, wie sie z. B. in Fitness-Centern angeboten werden, die Symptome der Erkrankung deutlich reduziert werden.

Musik beflügelt …

… auch die körperlichen Aktivitäten von Parkinson-Patienten. Die Gehirnareale, in denen wir Musik verarbeiten, liegen in unmittelbarer Nähe der für die Bewegung zuständigen Gehirnzonen. Deshalb verspüren wir ein Bedürfnis, uns zu bewegen, wenn wir rhythmische Musik hören. Viele Parkinson-Patienten hören gern und oft Musik, da dadurch ihre Schüttelperioden seltener und weniger heftig auftreten sowie ihre Bewegungen sicherer werden. Auch das wurde in einer Studie bestätigt (veröffentlicht in Parkinsonism & Related Disorders)

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So fangen Sie an

Je öfter und intensiver Sie üben, desto besser. Sie sollten jedoch nie bis an Ihre Grenzen gehen, sondern sich nur so viel zumuten, wie Ihre Gesundheit und Ihre körperliche Kraft bzw. Fitness es zulassen. Ehe Sie mit Ihrem Bewegungsprogramm beginnen, stimmen Sie sich mit Ihrem Arzt oder Physiotherapeuten darüber ab und entwickeln gemeinsam ein auf Sie zugeschnittenes Aktivitäten-Programm. Inzwischen gibt es eine große Zahl von Übungsprogrammen, die individuell auf den einzelnen Parkinson-Patienten zugeschnitten werden können. Beispiele finden Sie unter parkinson.de, dort auf „Begleittherapie“ klicken. Schließen Sie sich einer Übungsgruppe an. Kliniken, Physiotherapeuten und Selbsthilfegruppen offerieren diese bundesweit. Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe finden Sie unter parkinsonselbsthilfe.de. Die Übungen werden Ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen genau angepasst. Sie können von Ihrem Arzt verordnet werden, sodass die Kostenübernahme durch die Kassen erfolgt. Wenn das Gleichgewicht sehr stark beeinträchtigt ist, kommt auch eine physiotherapeutische Einzelbehandlung in Betracht. Alle Übungen dienen dem Ziel, dem Parkinson-Patienten ein selbstständiges Alltagsleben zu erhalten bzw. wieder zu ermöglichen. Die Übungen sollen fordern, aber nicht überfordern. Tai-Chi-, Yoga- oder Entspannungskurse, wie sie von Volkshochschulen und Sportvereinen angeboten werden, sind – sofern nicht speziell auf Parkinson-Teilnehmer zugeschnitten – für Sie daher nicht geeignet. Gerade Parkinson-Patienten, die bisher jede überflüssige Bewegung vermieden haben, fällt der Anfang oft sehr schwer. Mein Rat: Nehmen Sie es mit Ihrem täglichen Bewegungsprogramm ebenso genau wie mit der Einnahme Ihrer Medikamente! Bereits zwei Wochen, nachdem Sie Ihr Bewegungsprogramm begonnen haben, werden Sie die ersten positiven Wirkungen spüren, die Sie motivieren werden weiterzumachen.

Wie Sie einer Parkinson-Erkrankung vorbeugen

Da die Ursachen für die Entstehung von Parkinson noch weitgehend unbekannt sind, lässt sich der Erkrankung auch nicht gezielt vorbeugen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass einige Verhaltensregeln das Erkrankungsrisiko deutlich senken können.

1. Halten Sie Ihr Gehirn fit Parkinson greift die Gehirnzellen an. Gut „trainierte“ graue Zellen bieten Parkinson Paroli. Geben Sie Ihrem Gehirn täglich möglichst neue bzw. abwechslungsreiche Aufgaben. Dazu kann das Lösen von Kreuzwort-, Sudoku- oder Bilderrätseln ebenso zählen wie das Lesen eines Buchs, einer Zeitung, das Erlernen eines Tanzes oder das Kennenlernen fremder Länder und Menschen.

2. Versorgen Sie sich mit Pflanzenwirkstoffen In erster Linie sind hier Flavonoide bzw. Anthocyane zu nennen. Sie sind vor allem in dunklen Beeren enthalten (Brom-, Preisel-, Holunder-, Heidelbeeren) und verhindern entzündliche Prozesse in unserem Organismus. In einer US-Langzeitstudie mit 130.000 Teilnehmern erkrankten Menschen, die sich regelmäßig mit diesen Pflanzenwirkstoffen versorgten, deutlich seltener als diejenigen, die nur selten solche Früchte aßen.

3. Bleiben Sie in Bewegung Regelmäßige körperliche Aktivität verbessert die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung aller Muskeln und Organe, einschließlich unseres Gehirns. Zudem stärkt Bewegung unser Immunsystem und beugt Entzündungen und Erkrankungen wirksam vor. Leichtes Jogging, flottes Spazierengehen, Schwimmen oder Radfahren, aber auch Gartenarbeit können Ihr Risiko, an Parkinson zu erkranken, deutlich herabsetzen.

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