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Die häufigsten Fehldiagnosen und woran Sie sie erkennen

So schützen Sie sich vor Behandlungsfehlern

Gruppe von Ärzten bei der Diagnose

© Vadim Guzhva - 123rf.com

Viele Einlieferungen ins Krankenhaus gehen auf Ärztefehler zurück. Und leider allzu oft passieren auch in der Klinik fatale Behandlungsfehler mit tödlichem Ausgang.

Haben Sie sich auch schon mal gefragt, warum diese oder jene Behandlung Ihres Arztes nicht anschlägt? Das kann natürlich viele Ursachen haben. Doch die Möglichkeit, dass die Diagnose – und mithin die Behandlung – falsch war, ist nicht gerade unwahrscheinlich.

Internationalen Studien zufolge liegt die durchschnittliche Fehlerrate zwischen 10 und 15 %. Das Institut für Patientensicherheit in Bonn hat bei einer Auswertung von 90 Studien zum Thema errechnet, dass in Deutschland pro Jahr 680.000 schwerwiegende medizinische Fehler passieren, an deren Folgen zigtausend Patienten sterben. Bei einem so hohen Wert müssen Sie als mündiger Patient schon beide Augen offen halten und den Ärzten genau auf die Finger schauen. Bei sechs Diagnosen sollten Sie besonders misstrauisch sein.

Diagnose: Schüttellähmung (Morbus Parkinson)

Im fortgeschrittenen Stadium ist die Diagnose Parkinson-Krankheit relativ einfach. Denn durch das fortschreitende Absterben von Nervenzellen, die den Botenstoff Dopamin herstellen, kommt es zu sichtbaren Veränderungen: zu Muskelstarre, verlangsamten Bewegungen, Muskelzittern (daher der Name „Schüttellähmung“) und einer instabilen Haltung. Die Erkrankung beginnt meistzwischen dem50.und 79.Lebensjahr. Derzeit sind in Deutschland 300.000 bis 400.000 Menschen betroffen. Allerdings: Etwa jeder Vierte, der an der Universität Leipzigmit der Diagnose „Morbus Parkinson“ vorstellig wird, leidet gar nicht an Morbus Parkinson, hat aber möglicherweise schon jahrelang die starken und teuren Medikamente mit ihren zahlreichen Nebenwirkungen dagegen erhalten. So wird z.B. Rheuma oft fälschlicherweise als Parkinson diagnostiziert – und umgekehrt!

Sollte bei Ihnen die Diagnose gestellt werden, sollten Sie auf einer Untersuchung mittels „Single Photon Emission Computed Tomography“ bestehen, auf deutsch Einzelphotonen-Emissions-Computertomografie(SPECT), die eine zuverlässige Diagnose zulässt.

Diagnose: Magen-Darm Verstimmung

Wir alle kennen die charakteristischen Symptome eines Herzinfarkts: Vernichtungsschmerz im Brustbereich mit Ausstrahlung in Rücken, Schulter oder Kiefer, begleitet von Herzklopfen, Angst, kaltem Schweiß und/ oder Verdauungsstörungen. Frauen leiden bei einem Herzinfarkt jedoch häufiger unter weniger auffälligen Symptomen: Kurzatmigkeit, Übelkeit, Erbrechen und grippeähnlichen Symptomen. Kein Wunder also, dass Frauen erstens mit solchen Anzeichen seltener zum Arzt gehen und, falls doch, der Arzt oft eine andere Diagnose stellt, etwa eine Magen-Darm-Verstimmung. Über diese geschlechtsspezifisch anderen Symptome hinaus – so haben neuere Untersuchungen gezeigt – verläuft sowohl bei Frauen als auch bei Männern fast die Hälfte aller Infarkte stumm (ohne erkennbare Symptome), sie sind aber nicht weniger gefährlich.

Mein Rat: Wenn Sie sich ohne eindeutig erkennbaren Grund mies fühlen und ein ungutes Gefühl bei der Diagnose Ihres Arztes haben, sollten Sie ihn um ein EKG bitten. Sicher ist sicher!

Diagnose: Multiple Sklerose (MS)

Wenn sich Ärzte zu sehr auf die Bilder aus dem Kernspintomografen (MRT) verlassen und diese auch noch falsch interpretieren, werden vermeintliche MS-Patienten oft jahrelang mit Medikamenten behandelt, die nicht nur unglaublich teuer sind – z. B. der monoklonale Antikörper Alemtuzumab –, sondern auch eine irrsinnig lange Liste von Nebenwirkungen aufweisen. Laut einer neuen Untersuchung, die Neurologen auf dem diesjährigen Kongress der American Academy of Neurology (AAN) in Vancouver/Kanada vorstellten, leiden 22 % der angeblichen MS-Kranken eigentlich unter Migräne,15 % unter einer Fibromyalgie und 11 % unter psychischen Problemen.

Mein Rat: Sollte man bei Ihnen eine Multiple Sklerose diagnostizieren, lohnt sich möglicherweise das Einholen einer Zweit oder Drittmeinung und häufig einfach ein Blick auf die Symptome (ganztypisch sind z. B. Augenschmerzen sowie Taubheitsgefühle und Missempfindungen in Händen, Füßen und Unterschenkeln). Denn laut der MS-Spezialisten konzentrieren sich Ärzte oft zu sehr auf die bildgebenden Verfahren statt auf die offenkundigen Symptome.

Diagnose: Epilepsie

Sind Sie schon mal in Ohnmacht gefallen? Die Ursache könnte z.B. Herzrhythmusstörungen oder schlicht eine Unterzuckerung gewesen sein. Wären Sie in die Hände des falschen Arztes geraten, hätte er daraufhin möglicherweise ein EEG gemacht, es falsch interpretiert und bei Ihnen eine Epilepsie diagnostiziert. Sie würden dann Medikamente mit vielen Nebenwirkungen einnehmen und froh sein, dass kein epileptischer Anfall mehr auftritt. Kein Wunder eigentlich, da Sie ja überhaupt nicht an Epilepsieleiden! Laut einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) haben 5 bis 25 % der Patienten, die mit der Diagnose einer nicht auf Medikamente ansprechenden Epilepsie in eine Anfallsambulanz eingeliefert werden, in Wahrheit gar keine Epilepsie!

Auch bei der Diagnose Epilepsie gilt daher mein Rat: Unbedingt weitere Meinungen einholen, und zwar von ausgewiesenen Spezialisten

Diagnose: Schuppenflechte (Psoriasis)

Die Wahrscheinlichkeit, dass auch Sie öfter unter Juckreiz leiden, ist groß: Knapp 17 % der Bundesdeutschen müssen sich öfter kratzen, gut 4 % leiden sogar unter ständigem Juckreiz. Dabei kann der Juckreiz natürlich verschiedene Ursachen haben. Die wohl bekanntesten sind die Neurodermitis (auch „atopisches Ekzem“ genannt) und die Schuppenflechte (Psoriasis). Gerade bei Hautveränderungen an den Händen und am Kopf können Ärzte aber nicht immer sicher zwischen Schuppenflechte und Neurodermitis unterscheiden. So werden Patienten mit einer vermeintlichen Schuppenflechte mit ausgesprochen teuren und für sie nutzlosen Medikamenten versorgt, die eigentlich wegen Neurodermitis behandelt werden müssten – und umgekehrt.

Mein Rat: Wenn die Behandlung auf die eine oder andere Hauterkrankung nicht anschlägt, sollten Sie einen weiteren Hautarzt aufsuchen und um eine Biopsie mit Laboruntersuchung bitten.

Diagnose: Migräne

Rund 17.000 Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland an den Folgen eines Schlaganfalls. Zudem sind Schlaganfälle die häufigste Ursache für schwere Behinderungen. Und: Es gibt kaum eine Erkrankung, bei der dem Faktor Zeit eine so wesentliche Rolle zukommt wie beim Schlaganfall. Denn wenn mit der sogenannten Lyse-Behandlung – das Auflösen des Gerinnsels im Gehirn – nicht innerhalb von 4,5 Stunden nach dem Schlaganfall begonnen wird, sinken Ihre Überlebenschancen drastisch. Insofern kann ich es nur als alarmierend bezeichnen, dass fast jeder zehnte Schlaganfall beim ersten Arztkontakt nicht erkannt und z. B. fälschlich als Migräneattacke gedeutet wird.

Mein Rat: Wenn Sie – oder eine Person aus Ihrem Umkreis – plötzlich unterstarken Kopfschmerzen ohne erkennbare Ursache (z. B. Schlag auf den Kopf), Schwindel und/oder Übelkeit leiden sowie eventuell Seh- und Sprechstörungen, Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen hinzukommen, sollten Sie sofort den Notarzt rufen. Sie wissen ja: Ein Schlaganfall ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Lassen Sie sich nicht vertrösten!

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