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Schmerzende Beine können einen Herzinfarkt/Schlaganfall ankündigen!

Wie Sie die Gefahr rechtzeitig erkennen und weshalb Sie dann schnell handeln müssen

Schmerzen in den Beinen sollten Sie ernst nehmen

Viele Menschen denken beim Wort Arteriosklerose zuerst an Herzinfarkt und Schlaganfall.

Doch dieselbe Krankheit – nämlich eine Behinderung der Blutzirkulation durch Ablagerungen in den Arterien – kann nicht nur an den Herzkranzgefäßen auftreten, sondern an vielen anderen Stellen unseres Herz-Kreislauf-Systems ebenfalls. So z.B. auch in den Beinen. Das Resultat ist eine mitunter lebensbedrohende Erkrankung, die so genannte periphere Arterielle Verschlusskrankheit (pAVK). Was es damit auf sich hat, welche Symptome es gibt und was man gegen pAVK tun kann, erfuhr BENEFIT von Professor Jonathan I. Halperin, Kardiologe und Fachbuchautor in New York. Fast jeder zehnte Mensch in den Industrienationen leidet an pAVK, die meisten, ohne es zu wissen. Besonders häufig tritt sie in der Altersgruppe der über 65-Jährigen auf, dort ist jeder Dritte betroffen. Tückischerweise verläuft die Erkrankung zunächst symptomlos und bleibt lange unentdeckt. Erst wenn sich die Gefäße um 70 % ihres ursprünglichen Durchmessers verengt haben, kommt es zu Symptomen!

Sind Sie gefährdet?

Daher ist es zunächst wichtig zu wissen, wer zum pAVK-gefährdeten Personenkreis zählt. Es sind genau dieselben Risikofaktoren, die auch genannt werden, wenn es um Erkrankungen der Herzkranzgefäße geht: Blutdruck 140/90 und höher, Cholesterin über 200mg/dl und fortgeschrittenes Alter. Raucher und Diabetiker haben ein zusätzlich erhöhtes Risiko.

Deswegen sollten Sie sich unbedingt untersuchen lassen, wenn Sie

  • älter als 70 und kerngesund sind – quasi als Vorsorgeuntersuchung,
  • älter als 50 sind sowie an Diabetes leiden und rauchen bzw. geraucht haben,
  • älter als 50 sind und zusätzlich an Bluthochdruck oder erhöhtem Cholesterinspiegel leiden.

Was Ihr Arzt untersucht

Die periphere Arterielle Verschlusskrankheit tritt in den allermeisten Fällen in den Beinen auf. Ihr Arzt wird daher den Blutdruck ganz normal an Ihrem Oberarm messen und zusätzlich an Ihrem Unterschenkel. Aus den Werten Blutdruck am Unterschenkel dividiert durch Blutdruck am Oberarm ergibt sich der so genannte Ankle-Brachial-Index (ABI). Ein Verhältnis von unter 0,9 oder über 1,65 ist verdächtig und weist auf ein erhöhtes pAVK-Risiko hin.

Auf diese Symptome müssen Sie Acht geben

  • Gelegentliches Hinken beim Gehen wird hervorgerufen durch eine mehr oder weniger unangenehme Schmerzempfindung in einer oder beiden Waden.
  • Ganz typisch für pAVK: Wenn Sie aufhören zu gehen, hört auch der Schmerz auf (deshalb auch „Schaufensterkrankheit“ genannt).
  • Der Schmerz kann auch im Oberschenkel oder im Vorderfußbereich auftreten. Auch hier vergeht der Schmerz, sobald man anhält oder sich setzt.
  • Achten Sie auch auf Rötungen und Schwellungen. Dahinter könnte sich z.B. eine tiefe Beinvenenthrombose verbergen.

Obwohl das Leiden in diesem Stadium nicht wirklich unangenehm ist oder die Lebensqualität einschränkt, müssen Sie unbedingt zum Arzt, wenn Sie diese Symptome an sich entdecken.

Was Sie selbst tun können

Wenn bei Ihnen pAVK diagnostiziert wurde, haben Sie die Chance, durch aktives Mitwirken die Risikofaktoren einzuschränken bzw. ganz auszuräumen. Hören Sie mit dem Rauchen auf, kontrollieren Sie akribisch Ihren Blutzuckerspiegel (Selbstmessung), Ihre Cholesterinwerte (cholesterinreduzierte Ernährung) und Ihren Blutdruck (Selbstmessung). Halten Sie sich an dieselben Empfehlungen, an die sich auch Patienten mit einer Erkrankung der Herzkranzgefäße halten müssen: Achten Sie darauf, dass Ihr LDL-Cholesterinwert nicht über 100 mg/dl steigt bzw. nicht über 70 mg/dl, wenn Ihr Arzt Sie für besonders gefährdet hält. Zur Vermeidung von Blutgerinnung und Pfropfenbildung in den Gefäßen kann Ihr Arzt Ihnen ein Mittel verschreiben, das die Gerinnungsfähigkeit herabsetzt. Auf Nebenwirkungen achten! Außerdem hilfreich: Ein ACEHemmer wie Enalapril oder Ramipril, beides Mittel, welche normalerweise gegen hohen Blutdruck eingesetzt werden, die aber auch das Herzinfarktrisiko senken. Wenn Sie Diabetiker sind, achten Sie besonders auf Ihre Füße. An Hautverletzungen nicht selber „herumdoktern“, sondern sofort zum Arzt gehen. Am besten: regelmäßige Pflege durch eine auf Diabetes-Patienten geschulte Fußpflegerin.

Wenn Schmerzen Sie plagen

Wenn Sie unter Schmerzen leiden, können Sie diese unter Anleitung mit einfachen Bewegungsübungen, die üblicherweise in einer Reha-Klinik stattfinden, lindern – und zwar langfristig besser und verträglicher als mit jedem noch so wirksamen Medikament. Die Übungen regen die Durchblutung an und trainieren die Muskeln, mit dem Sauerstoff effizienter umzugehen. Das beste Ergebnis erzielen Sie, wenn Sie diese Übungen dreimal pro Woche mindestens jeweils 30 Minuten lang durchführen. Nach ca. sechs Monaten unter Anleitung können Sie Ihr Training auch zu Hause durchführen.

Chirurgische Alternativen

Wenn auch Medikamente nicht weiterhelfen, kann Ihr Arzt Ihnen zu zur Angioplastie raten, einem chirurgischen Verfahren, bei dem ein Ballonkatheter in die betroffene Arterie eingeführt wird. Der Ballon wird mit Luft gefüllt und weitet so die Arterie. Um die Arterie offen zu halten, kann ein Stent, ein kleines Röhrchen aus Kunststoff oder Edelstahl, eingesetzt werden, das dauerhaft mit der Arterienwand verwächst. Auch das Legen eines Bypasses, also einer neuen künstlichen oder körpereigenen Arterie, kann erforderlich werden, wenn die Blockade so weit vorangeschritten ist, dass bei Nichtbehandlung die Amputation von Teilen eines Beins drohen kann (ein Zustand, der als schwere Beinischämie bezeichnet wird). Hier ist schnellstes Handeln vonnöten.

Deshalb noch einmal mein dringenderHinweis: Nehmen Sie Schmerzen in den Beinen, ganz gleich ob beim Gehen oder im Ruhezustand, immer ernst – und zum Anlass, möglichst umgehend Ihren Arzt aufzusuchen.

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