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Herzinfarkt! Was Sie tun müssen, bis der Notarzt eintrifft

Neue Verhaltensmaßregeln sichern Ihnen höhere Überlebenschancen!

Herzinfarkt

Wissen Sie eigentlich, was zu tun ist, wenn Ihr Lebenspartner oder eine andere Person plötzlich das Bewusstsein verliert und zu atmen aufhört?

Jeden Tag sterben in Deutschland rund 280 Menschen infolge eines plötzlichen
Herzstillstands nach einem Herzinfarkt. In 80 Prozent der Fälle passiert dies daheim. Die Herz-Lungen-Wiederbelebung durch abwechselnde Anwendung von Herzmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung, bis medizinische Hilfe eintrifft, galt bisher als Mittel der Wahl, um Herztätigkeit und Sauerstoffzufuhr des Betroffenen aufrecht zu erhalten. Doch die Praxis hat gezeigt, dass diese Behandlung für medizinische Laien nicht ganz einfach ist und daher oft falsch durchgeführt wird. In einer Aufsehen erregenden Studie, die Ende letzten Jahres im US-amerikanischen Fachmagazin The Lancet veröffentlicht wurde, stellten Mediziner fest, dass eine alleinige Herzmassage ohne Unterbrechung durch Mund-zu-Mund- Beatmung bessere Überlebenschancen sichern kann, als wenn – wie bisher empfohlen – die Massage von der Beatmung unterbrochen wird.

BENEFIT unterrichtet Sie über diese und andere neue Erkenntnisse zur lebensrettenden Erstbehandlung bei Infarktpatienten. Wer benötigt Ihre Hilfe? Jemand, der das Bewusstsein verloren und zu atmen aufgehört hat, schwebt immer in akuter Lebensgefahr. Die mit einem Infarkt verbunden Herzrhythmusstörungen oder gar ein Herzstillstand führen innerhalb weniger Minuten zu irreparablem Verlust von Herzgewebe. Jeder dritte Herzinfarkt-Patient stirbt, bevor er die rettende Klinik erreicht. Handeln Sie deshalb sofort!

1. Schritt: Rufen Sie ärztliche Hilfe herbei!

Erschreckend: Eine Analyse von 400 deutschen Kliniken zeigt, dass bei einem Herzinfarkt im Durchschnitt mehr als 3 Stunden vergehen, bis der Notarzt alarmiert wird. Das sind 2 Stunden und 59 Minuten zu viel! Schnelles Handeln kann Menschenleben retten. Wenn Sie erste Hilfe leisten müssen: Bewahren Sie Ruhe! Bitten Sie jemanden, den Notarzt anzurufen (Telefonnummer 112 bzw. regionale Notrufnummer 19222). Wenn niemand greifbar ist, rufen Sie zuerst selbst dort an, bevor Sie Hilfe leisten. Nennen Sie am Telefon Ihren Namen und Ihren genauen Aufenthaltsort. Weisen Sie ausdrücklich auf den Verdacht eines Herzinfarkts hin.

So stellen Sie sicher, dass ein Rettungswagen kommt, der mit einem Defibrillator ausgestattet ist, einem Gerät, dass mittels Stromimpulsen die gestörte Herztätigkeit wieder anstoßen kann. Wichtig: Oft verstreichen wertvolle Minuten, weil die Hilfesuchenden nicht die Notarzt-Nummer, sondern den ärztlichen Not- oder Bereitschaftsdienst anrufen. Dieser vertritt lediglich, z.B. nachts und an Wochenenden, den Hausarzt. Er verfügt also keineswegs über einen Rettungswagen!

2. Schritt: Prüfen Sie, ob der Betroffene tatsächlich das Bewusstsein verloren hat

Fassen Sie ihn sanft an und sprechen Sie mit ihm. Möglicherweise schläft er nur, ist betrunken oder steht unter Drogeneinfluss. Reagiert er nicht, fahren Sie mit dem 3. Schritt fort.

3. Schritt: Atemtätigkeit feststellen

Legen Sie Ihre Hand auf die Brust des Patienten und fühlen Sie, ob er noch atmet. Oder horchen Sie nach Atemgeräuschen, indem Sie Ihr Ohr nah an dessen Mund und Nase heranführen. Nehmen Sie sich dazu 5 bis 10 Sekunden Zeit. Wenn der Betroffene regelmäßig atmet, unternehmen Sie nichts weiter. Beobachten Sie ihn und warten Sie, bis Hilfe eintrifft.

4. Schritt: Fragen Sie nach einem Defibrillator

An belebten Plätzen (Einkaufszentren, Flughäfen) gibt es mituntereinen öffentlich zugänglichen, tragbaren Defibrillator. Möglicherweise ist auch eine Arztpraxis in der Nähe, in der es ein solches Gerät gibt. Schicken Sie Passanten auf die Suche und beginnen Sie unmittelbar mit dem 5. Schritt. Die tragbaren Defibrillatoren sind weitestgehend automatisiert und zur Bedienung durch Laien vorgesehen. In einem Display erhalten Sie genaue Anweisungen zur Handhabung des Geräts und der Elektroden. Es analysiert automatisch den Herzrhythmus, entscheidet selbsttätig, ob ein elektrischer Impuls gegeben werden muss, und löst diesen gegebenenfalls auch automatisch aus.

5. Schritt: Beginnen Sie zügig mit der Herzmassage

Im Erste-Hilfe-Kurs haben wir früher noch gelernt, dass man vor der Herzmassage den Puls messen soll. Ärzte raten heute davon ab. Erstens vergeht dadurch wertvolle Zeit, die besser in die Herzmassage investiert ist, und zweitens führt das Pulsmessen durch medizinische Laien in – in Studien nachgewiesenen – 35 Prozent der Fälle ohnehin zu falschen Ergebnissen. Verzichten Sie also auf die Pulsmessung. Beugen Sie sich seitlich über den auf dem Rücken liegenden Patienten. Legen Sie den Handballen einer Ihrer Hände in die Mitte des Brustbeins, exakt auf Höhe der Brustwarzen. Legen Sie Ihre andere Hand auf diese Hand und drücken Sie mit ausgestreckten Armen kurz, aber energisch auf das Brustbein, so dass es etwa 4 bis 5 cm nachgibt. Zwischen zwei Stößen sollte sich der Brustkasten komplett wieder ausdehnen können. Am besten ist eine Massagefrequenz von 100 Brustkompressionen pro Minute, also nahezu 2 pro Sekunde.

Diese Alarmzeichen für einen Infarkt sollten Sie sich unbedingt einprägen:

  • Wichtiger Hinweis: Bei Frauen sind Luftnot, Übelkeit, Oberbauchschmerzen
    und Erbrechen oft alleinige Alarmzeichen!
  • Starke, länger als fünf Minuten anhaltende Schmerzen im Brustkorb, die in Arme, Schulterblätter, Oberbauch, Hals und Kiefer ausstrahlen können
  • Engegefühl im Herzbereich, Druck im Brustkorb, Angstgefühl
  • Luftnot, Übelkeit, ErbrechenSchwächeanfall (ohne Schmerzempfindung), eventuell Bewusstlosigkeit
  • Blasse, fahle Gesichtsfarbe, kalter Schweiß

Gut zu wissen: Sinn der Herzmassage ist es nicht, das Herz wieder „anspringen“ zu lassen, sondern weiterhin Blut in den Kreislauf zu befördern. Beim Pressen drücken Sie das Blut aus dem Herzen hinaus, beim Lösen des Drucks saugt es neues Blut an. So vermeiden Sie eine lebensgefährliche Unterversorgung vornehmlich des Herzgewebes mit Sauerstoff. Nur der Notarzt kann das Herz mit dem Defibrillator wieder reanimieren und den Zustand des Betroffenen mit intravenös verabreichten Medikamenten für den Transport zur Klinik stabilisieren.

6. Schritt: Mund-zu-Mund-Beatmung

Ehe Sie mit der Mund-zu-Mund-Beatmung beginnen, schieben Sie den Kopf des Betroffenen etwas nach hinten, indem Sie sein Kinn leicht hochziehen. Atmen Sie normal ein, halten Sie mit einer Hand seine Nase zu und atmen Sie nicht länger als eine Sekunde aus, der Brustkorb muss sich dabei deutlich anheben. Sie können den Mund des zu Beatmenden auch mit einem dünnen Tuch abdecken, wenn Sie den direkten Hautkontakt vermeiden möchten. Neue Richtlinien: Nach zwei Atemzügen nehmen Sie die Herzmassage sofort wieder auf.

Pressen Sie 30-mal, dann wieder zwei Atemzüge, dann wieder 30-mal pressen usw. Sie können sich die Vorgehensweise auch als Video im Internet anschauen: depts.washington.edu/learncpr/index.html , auf der Internetseite der University of Washington School of Medicine. Wenn Sie die Mund-zu-Mund-Beatmung nicht anwenden können oder wollen, führen Sie einfach nur die Herzmassage durch. Wichtig ist, dass Sie helfen, bis ein Arzt eintrifft.

Wenn Sie alleine leben oder an sich selbst erste Warnzeichen eines nahenden Herzinfarktes wahrnehmen: Warten Sie niemals ab! Weder von nachts um zwei auf den kommenden Morgen und schon gar nicht von Sonntag auf Montag. Jede Minute zählt! Rufen Sie immer sofort den Notarzt. Scheuen Sie sich nicht vor einem Fehlalarm! Gut zu wissen: In vielen Kliniken gibt es inzwischen so genannte Chest Pain Units, zu Deutsch etwa Brustschmerz-Abteilungen. Das sind Notfallambulanzen, die 24 Stunden am Tag allen Patienten mit Brustkorbbeschwerden aller Art offen stehen und alles aufbieten, was zurzeit zur umgehenden Versorgung von Herznotfall- oder -verdachtspatienten zur
Verfügung steht.

Lassen Sie sich bei unklaren Beschwerden von einem Bekannten oder mit einem Taxi dorthin fahren. Setzen Sie sich keinesfalls selbst ans Lenkrad! Wenn eine Klinik in Ihrer Nähe eine solche Einrichtung besitzt, wird diese vom Notarztwagen automatisch angefahren.

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