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Wann Ihre Reiserücktritts-Versicherung nicht zahlt

Achtung: Nicht immer gibt's das Geld zurück!

Reiserücktritt

Wer kurzfristig seine Urlaubsreise absagen muss, wird kräftig zur Kasse gebeten. Die Reiseveranstalter verlangen dann nämlich hohe Stornogebühren.

Dabei gilt: Je näher der Abreisetermin rückt, desto teurer wird’s. Wer am Abflugtag einen Schwächeanfall bekommt und seinen Mallorca-Trip ausfallen lassen muss, wird im schlimmsten Fall mit dem vollen Reisepreis zur Kasse gebeten. Mit einer Reiserücktrittskosten-Versicherung kann man sich dagegen
schützen. Sie springt im Verhinderungsfall ein und ersetzt die angefallenen Stornokosten. Doch Vorsicht: Nicht immer gibt’s das Geld zurück! Wenn Sie als Rücktrittsgrund lediglich „schlechtes Wetter“ oder „fehlenden Schnee“ angeben, stoßen Sie beim Versicherer auf taube Ohren – die Assekuranzen erwarten da schon gewichtigere Begründungen.

Üblicherweise sind nur die folgenden Fälle abgesichert:

  1. wenn der Versicherte, ein Angehöriger oder ein Mitreisender einen schweren Unfall hat oder unerwartet schwer erkrankt,
  2. wenn ein Angehöriger oder ein
    Mitreisender verstirbt,
  3. wenn Schwangerschaftskomplikationen oder Impfuntauglichkeit die Reise unmöglich machen,
  4. wenn das Eigentum des Versicherten z.B. durch Straftaten, Wohnungsbrände oder Naturgewalten existenzgefährdend beschädigt wurde oder
  5. wenn der Versicherte unverschuldet seinen Arbeitsplatz verliert (z.B. durch betriebsbedingte Kündigung).

So weit die Theorie. In der Praxis kann man aber selbst im Krankheitsfall auf den Stornogebühren sitzen bleiben. Grund: Viele Versicherer weigern sich zu zahlen, wenn sie Zweifel haben, dass es sich um eine „schwere“ oder „unerwartete“ Erkrankung handelt. Hierbei trifft es häufig Versicherte, die aufgrund eines chronischen Leidens (z.B. Diabetes, Depressionen, Allergien) oder eines Krankheitsrückfalls ihren Urlaub stornieren müssen. Immer wieder landen solche Fälle vor Gericht – und nicht selten wird dort zu Gunsten der Versicherungen entschieden (siehe auch Kasten „Geld zurück oder nicht?“).

Mein Tipp: Wenn Sie kurz vor Urlaubsbeginn erkranken, sollten Sie sich Ihre Reiseunfähigkeit unbedingt von einem Facharzt attestieren lassen. So vermeiden Sie Ärger mit dem Versicherer.

„Geld zurück oder nicht?“: Deutsche Richter urteilen meist zum Nachteil des Reisenden

Einchecken

Kurz nach dem Einchecken erfuhr eine abflugbereite Familie, dass die Schwiegermutter im Koma liegt, und stornierte kurzerhand den Trip. Die Versicherung zahlte nicht und bekam Recht: „Der Eincheck- Vorgang markiert den ‚Reiseantritt‘“, so die Richter (OLG Dresden, Az.: 3 U 1338/01). In einem solchen Fall würde gegebenenfalls eine Reiseabbruchversicherung greifen.

Bluthochdruck

Als sich vor Reisebeginn sein Bluthochdruck wieder meldet, sagt der Kläger den Urlaub ab. Anschließend wendet er sich zwecks Erstattung der Stornogebühren an seine Reiserücktrittsversicherung. Die verweigerte die Zahlung und bekam Recht. Laut Richterspruch handelte es sich nicht um eine „unerwartete schwere Erkrankung“. (AG Hamburg, Az. 13 B C 333/01).

Arztprognose

Sechs Wochen vor Beginn der gebuchten Kreuzfahrt erkrankte ein 74 Jahre alter Rechtsanwalt schwer. Er vertraute seinen Ärzten, die ihm eine rechtzeitige Genesung prophezeiten, und stornierte nicht. Kurz vor Reisebeginn verschlechterten sich seine Blutwerte dramatisch, sodass er die Reise doch noch abblasen musste. Die Versicherung lehnte die Zahlung der 3.000 Euro Stornogebühren mit dem Hinweis auf „grob fahrlässiges Verhalten“ ab. Die Richter jedoch konnten kein Fehlverhalten erkennen und entschieden gegen das Unternehmen (LG Bonn, Az.: 5 S 167/03).

Raucherhusten

Storniert ein starker Raucher eine Reise wegen einer Bronchitiserkrankung, kann er kein Geld von der Reiserücktrittsversicherung verlangen, da es sich dabei nicht um eine „schwere Erkrankung“ handelt (LG Duisburg, Az. 10 0 341/97).

Urlaubssperre

Streicht der Chef den bereits gebuchten Urlaub, dann gibt es von der Versicherung kein Geld zurück. Stattdessen muss sich der Arbeitnehmer mit seinen Ansprüchen an den Arbeitgeber wenden. So entschied das Amtsgericht München (Az.: 182 C 9614/00).

Schwangerschaft

Erfährt eine Frau, dass sie schwanger ist, muss der Versicherer ihr eine „gewisse Bedenkzeit“ (mindestens eine Woche) einräumen, bevor sie sich für oder gegen den Reiseantritt entscheidet (AG Köln, Az.: 24 S 40/60).

Flugangst

Akute Flugangst, die sich in Schweißausbrüchen und Gliederzittern äußert, rechtfertigt einen Rücktritt vom gebuchten Flug mit Anspruch auf Stornokostenerstattung durch die Versicherung nur dann, wenn der Flughafenarzt vom Antritt der Reise abrät (LG Koblenz, Az.: 14 S 362/03).

Virengefahr

Als eine Frau erfuhr, dass am Urlaubsziel ein seltener Virus grassiere, stornierte sie daraufhin aufgrund akuter „Angstzustände“ die Reise. Den Versicherungsschutz kann sie aber nur bei einer „tatsächlichen Krankheit“ in Anspruch nehmen, entschied das Amtsgericht München – und wies die Klage auf Zahlung ab (Az.: 262 C 20636/06).

Doch wie sieht es aus, wenn Sie zwar wohlauf sind, am Urlaubsort aber Gefahr für Leib und Leben besteht (z.B. bei Krieg oder Terrorgefahr)? Auch hier muss wieder geklärt werden, ob es sich um ein „unvorhersehbares Ereignis“ handelt. Hat es erst kurz vor dem Reiseantritt „geknallt“, dann haben Sie ein Rücktrittsrecht – der Veranstalter darf in den Fällen von höherer Gewalt (z.B. Bürgerkriege, Terroranschläge und Naturkatastrophen) auch keine Stornogebühren verlangen.

Fazit: Den kompletten Rundumsorglos- Schutz bietet eine Reiserücktrittskosten- Versicherung aufgrund ihrer vielen Einschränkungen zwar nicht, dennoch kann der Abschluss einer solchen Police durchaus sinnvoll sein. Vor allem bei teuren Reisen jenseits von 1.000 Euro pro Person lohnt sich der Schutz gegen die hohen Stornogebühren. Am besten, Sie wählen einen Tarif ohne Selbstbehalt, sonst bleiben Sie auf einem Teil der Kosten sitzen. Günstige Tarife für Reisen bis 3.000 Euro (Single, ohne Selbstbeteiligung) gibt es schon ab 56 Euro (Signal Iduna). Wenn Sie auch während des Urlaubs abgesichert sein möchten, wählen Sie einen Tarif mit der Zusatzleistung „vorzeitiger Abbruch“ – dann zahlt der Versicherer auch im Falle eines außerplanmäßigen Urlaubsabbruchs, etwa infolge einer Erkrankung.

Mein Tipp: Für Vielreisende bieten sich Jahrespolicen an. Die sind zwölf Monate im Jahr gültig, ganz egal wie oft Sie in dieser Zeit buchen. Beim ADAC gibt’s den Ganzjahresschutz (inklusive Reiseabbruch) ab 30,65 Euro jährlich (Nichtmitglieder ab 40,90 Euro).

Doch Vorsicht: Gerade für ältere Urlauber lohnt sich der Blick auf die Konditionen, denn viele Versicherer erhöhen bei Senioren die Tarife oder schränken gleichzeitig die Leistungen ein! So auch der ADAC: Ab dem 66. Lebensjahr müssen Versicherte rund 3 Euro Altersaufschlag zahlen – Nichtmitgliedern ist ein Neuabschluss dann gar nicht mehr möglich. Besonders „beliebt“ sind Altersgrenzen auch bei Reiserücktrittsversicherungen für Kreuzfahrten. Mit der Union (420 Euro) und der Hanse Merkur (460 Euro) können Sie diese Hürde umschiffen. Der Stornoschutz für Reisen bis maximal 10.000 Euro (inklusive Reiseabbruch) ist dort ohne Altersbeschränkung zu haben.

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