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Testament: So machen Sie alles richtig!

Wie Sie mit Ihrem Vermächtnis jemandem etwas Gutes tun

Vererben Sie Ihr Vermögen richtig

Ein Testament gibt Ihnen die Möglichkeit, bereits zu Lebzeiten zu entscheiden, was später mit Ihrem Vermögen geschehen soll. Niemand zwingt Sie, ein Testament zu hinterlassen, doch dann regelt der Gesetzgeber Ihren Nachlass.

Ein Testament gibt Ihnen die Möglichkeit, bereits zu Lebzeiten zu entscheiden, was später mit Ihrem Vermögen geschehen soll. Niemand zwingt Sie, ein Testament zu hinterlassen, doch dann regelt der Gesetzgeber Ihren Nachlass. Ich gehe aber davon aus, dass Sie sich diese Möglichkeit lieber selbst offen halten möchten, deshalb sage ich Ihnen in diesem Kapitel, was es beim Testament zu beachten gibt, wie es zu gestalten ist, was inhaltlich möglich ist und was nicht.

Worauf Sie bei der äußeren Form des eigenhändigen Testaments achten müssen

Um ein eigenhändiges Testament aufzusetzen, ist es nie zu früh. Man muss dazu lediglich 18 Jahre oder älter und im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte sein. Eigenhändig bedeutet, Sie müssen das Testament von der ersten bis zur letzten Zeile handschriftlich niederlegen. Als Überschrift sollten Sie „Testament“ oder „Mein letzter Wille“ wählen. Wenn Sie mehrere Seiten benötigen, nummerieren Sie diese durch und unterschreiben Sie jede Seite einzeln. Streichungen, Fußnoten und Einfügungen im Text sollten Sie vermeiden. Wenn Sie sich verschrieben haben, schreiben Sie die Seite am besten noch einmal neu. Mit dem Ort, dem Datum und Ihrer Unterschrift (ausgeschriebenen Vor-(!) und Zunamen) beenden Sie Ihre Ausführungen. Bitte kein P.S. oder weitere Verfügungen anhängen, es gilt nur das, was oberhalb Ihrer Unterschrift steht!

Was Sie testamentarisch verfügen können und was nicht

In Ihrem Testament können Sie einen oder mehrere Erben einsetzen oder auch die gesetzliche Erbfolge ausschließen, einen Vor- und Nacherben einsetzen oder eine Enterbung aussprechen. Gut zu wissen: Unabhängig von dem, was Sie ins Testament schreiben, sind bei der Verteilung des Nachlasses grundsätzlich immer die Pflichtteile der Erbfolge einzuhalten. Doch der Reihe nach: Wenn Sie im Testament nur einen Erben einsetzen, sollten Sie diesen auch so, nämlich als Alleinerben, bezeichnen (z.B. „Ich setze meine Frau, Roswitha Peterjahn, als Alleinerbin ein“). Benennen Sie mehrere Personen (jeweils mit Vor- und Nachnamen, z.B. „… erhält mein Neffe Klaus-Michael Krämer …“), müssen Sie angeben, in welchem Verhältnis diese erben sollen, also z.B. „… setze ich meine Schwester Mathilde Meister, geborene Peterjahn, zu einem Viertel ein“.

Wichtig für das Verständnis eines Testaments:

Ihre Erben „erben“ immer Ihren Nachlass als Ganzes, daher empfiehlt sich bei der Formulierung des Testaments die Aufteilung in Drittel, Viertel, Achtel bzw. in Prozent des Gesamtnachlasses. Wollen Sie hingegen einen bestimmten Gegenstand aus Ihrem Besitz einer ganz bestimmten Person übereignen, spricht man von „vermachen“ bzw. Vermächtnis.

Wann es für Sie sinnvoll sein kann, die Erbfolge zu ändern

Gar nicht so selten kommt es vor, dass ein Erblasser in seinem Testament eine bestimmte Erbreihenfolge verfügt. Stellen Sie sich den Fall vor, dass Sie Ihr Haus oder Ihren Betrieb nicht an Ihren einzigen Sohn weitergeben wollen, z.B. weil Sie ihn für einen unverbesserlichen Luftikus halten, der nicht mit Geld umgehen kann. In diesem Fall können Sie beispielsweise Ihre Frau als Vorerbin einsetzen und einen viel versprechenden Enkelsohn als Nacherben. Ihre Frau ist nach Ihrem Ableben zunächst einmal versorgt und das Haus bzw. der Betrieb geht nach deren Tod auf den Enkel über. Der Pflichtteilsanspruch des Sohnes bleibt davon allerdings unberührt. Sie könnten darüber hinaus beispielsweise noch verfügen, dass dieser Enkel das Erbe nur dann antreten kann, wenn er eine betriebswirtschaftliche Ausbildung absolviert hat. Aber Achtung: Die Einsetzung eines Nacherben gilt nur 30 Jahre! Wenn Ihre Frau also noch 30 weitere Jahre lebt (maßgebend ist das Datum des Testaments), verfällt die
Nacherbenverfügung.

Wann ein Ersatzerbe einspringen kann

Mal angenommen, Sie haben eine enge Beziehung zu Ihrem Bruder, können aber – gemäßigt formuliert – mit dessen Familie nicht allzu viel anfangen. Dann können Sie für ihn einen Ersatzerben bestimmen. Damit hat es folgende Bewandtnis: Ist Ihr Bruder zum Zeitpunkt des Erbfalls bereits verstorben, erben nicht seine Angehörigen, sondern der von Ihnen benannte Ersatzerbe.

„Ich enterbe dich, dann bekommst du gar nichts!“

Diesen Fluch, meist als Ausdruck tiefster Missachtung oder als erzieherische Maßnahme ausgestoßen, gibt es nur in alten Filmen oder im Ausland. In Deutschland jedenfalls ist eine vollständige Enterbung via Testament nicht möglich. Stets gilt: Das Pflichtteil kann nicht entzogen werden. Ausnahme: Die zukünftigen Erben hätten versucht, auf kriminelle Weise an Ihr Vermögen zu gelangen, oder Ihnen gar nach dem Leben getrachtet.

Wann empfiehlt sich ein notarielles Testament?

Das notarielle oder öffentliche Testament können Sie bei einem Notar mündlich vortragen, der es mitschreibt und in das notarielle Testament überträgt. So gehen Sie ganz sicher, dass alles seine Richtigkeit hat. Sie können aber auch ein vorbereitetes Schriftstück beim Notar hinterlegen, welches dann nicht handschriftlich verfasst sein muss. Ihre Vorteile: 1. Sie können den Notar bei dieser Gelegenheit alles fragen, was Ihnen noch unklar ist. 2. Ihr Notar bewahrt das Testament beim Amtsgericht auf und sorgt dafür, dass es im Erbfall einer von Ihnen benannten Person ausgehändigt wird.

Der Notar verlangt für seine Dienste eine Beurkundungsgebühr, z.B. bei einem Vermögenswert von 50.000 € ca. 130 €, bei einem Nachlass von 200.000 € ca. 360 €, plus Mehrwertsteuer. Für die amtliche Aufbewahrung (auch Ihr eigenhändiges Testament können Sie übrigens dem Amtsgericht anvertrauen) müssen Sie bei einem vererbten Wert von 200.000 € mit rund 100 € Gebühren rechnen. Größter Nachteil des notariellen Testaments: Bei jeder Änderung wird die Beurkundungsgebühr erneut fällig! Dennoch empfehle ich Ihnen das notarielle Testament vor allem dann, wenn Immobilienbesitz zu vererben ist. Es erleichtert die entsprechenden Änderungen im Grundbuch und macht die Ausstellung eines Erbscheins überflüssig, dessen Kosten übrigens denen des notariellen Testaments entsprechen.

Mit einem Vermächtnis können Sie jemandem etwas besonders Gutes tun

Möchten Sie die in Ehren verstaubte BMW Isetta in Ihrem Schuppen dem Sohn Ihres Freundes, der sich für historische Automobile interessiert, vermachen? Oder das Gemälde, in das sich die Freundin Ihrer Enkelin bei jedem Besuch ausgiebig vertieft, derselben zur Erinnerung überlassen? Dann halten Sie dies einfach in Ihrem Testament fest. Vermachen können Sie nahezu alles, selbst Forderungen können Sie z.B. in Form eines Vermächtnisses schmälern oder ganz erlassen.

Der Empfänger Ihres Vermächtnisses, Vermächtnisnehmer genannt, muss dazu nicht einmal geboren sein; so können Sie z.B. einem erhofften zukünftigen Urenkel schon jetzt Ihre goldene Jubiläums-Armbanduhr vermachen. Selbstverständlich können Sie auch Ihre Erben mit einem Vorausvermächtnis bedenken, welches diese dann zusätzlich zu ihrem Erbteil erhalten. Der Vermächtnisnehmer kann auch eine juristische Person, also z.B. ein Club, ein Verein, eine Stiftung oder ein Tierheim, sein. Eigentlich klar, aber dennoch erwähnenswert: Alles, was Sie als Vermächtnis fortgeben, schmälert naturgemäß Ihren übrigen Nachlass. Die Erbteile beziehen sich daher stets auf den Gesamtnachlass abzüglich der vermachten Gegenstände.

Immer wieder ein Streitpunkt: das Pflichtteil

In einem Testament können Sie weitgehend frei bestimmen, wem Sie was zukommen lassen möchten. Lediglich in einem Punkt ist diese so genannte „Testierfreiheit“ eingeschränkt: Ehegatten, Kinder und gegebenenfalls Eltern haben einen gesetzlichen Anspruch auf ein Mindesterbe, das Pflichtteil. Es beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbes. Beispiel: In einer Familie mit zwei Kindern erbt der überlebende Ehepartner 50 und die beiden Kinder jeweils 25 Prozent des Vermögens. Wurde im Testament eines der beiden Kinder enterbt, halbiert sich dessen Anteil auf den Pflichtteil, nämlich auf 12,5 Prozent. Dieses Pflichtteil ist in bar auszuzahlen. Der enterbte Erbe hat das Recht, ein detailliertes Verzeichnis aller Nachlassgegenstände und Nachlassschulden einzusehen, um z.B. bei einem komplexen Nachlass mit Immobilien die Berechnung des Gesamtvermögens und seines Anteils nachzuvollziehen (so genannter Auskunftsanspruch).

Ausgeschlossene Pflichtteilsberechtigte werden nicht Rechtsnachfolger des Erblassers und auch nicht Mitglieder der Erbengemeinschaft. Von dem Tag an, an dem der Pflichtteilsberechtigte von seinem Erbe Kenntnis erhält, kann er dieses innerhalb von drei Jahren einfordern. Danach verfällt der Anspruch. Ohne Wissen vom Erbfall beträgt die Verjährungsfrist 30 Jahre. Ein beliebter Trick, unliebsame Verwandte ums Erbe zu bringen: Die Erbmasse wird durch Schenkungen zu Lebzeiten systematisch reduziert. Aber: Der Pflichtteilsberechtigte schaut nur dann in die Röhre, wenn diese Schenkungen beim Erbfall mindestens zehn Jahre zurückliegen. Sollte das nicht der Fall sein, müssen die Schenkungen dem Nachlassvermögen hinzugerechnet werden.

 

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