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Wie Sie einem Sterbenden Trost spenden

Angst oder Unbehagen bei der Vorstellung

Tröstende Handbewegung vor Holz-Hintergrund

© olegdudko - 123rf.com

Es ist eine der am meisten gefürchteten Nachrichten, die wir bekommen können: Ein geliebter Mensch oder Freund liegt im Sterben. Die meisten von uns haben keinerlei Erfahrung, wie sie mit dieser Situation richtig umgehen und wie sie dem Sterbenden begegnen sollen. Was man ihm sagen soll – was besser nicht? Wie verhält man sich richtig? Was tun, wenn allein die Vorstellung, ihn vielleicht zum letzten Mal zu besuchen, über unsere Kräfte zu gehen scheint?

BENEFIT erfuhr mehr über den richtigen Umgang mit Menschen, die nur noch wenige Monate, Wochen oder Tage zu leben haben, von Maggie Callanan, Leiterin einer US-amerikanischen Hospiz-Organisation, die seit mehr als 30 Jahren Erfahrung bei der Begleitung Sterbender gesammelt und auch mehrere Bücher darüber veröffentlicht hat.

Vor dem Besuch

Angst oder Unbehagen bei der Vorstellung, einem Sterbenden einen Besuch abzustatten, sind ganz natürlich. Der nahende Tod kann Unsicherheit und Kummer, ja Angst hervorrufen: Wie hat sich derjenige verändert, wie sieht er aus, ist eine Unterhaltung überhaupt möglich? Grübeln Sie nicht – besuchen Sie ihn. Seien Sie sicher: Er weiß es zu schätzen, dass Sie Ihre Bedenken und Ihr Unbehagen überwunden haben. Dadurch, dass Sie ihn besuchen, um sich zu verabschieden, vermeiden Sie auch für sich spätere Selbstvorwürfe und das Gefühl, eine unwiederbringliche Chance ausgelassen zu haben.

Verstellen Sie sich nicht

Eine der wichtigsten Botschaften, die Sie einem Sterbenden vermitteln können, ist, dass er tief in Ihrem Innern immer noch derselbe wunderbare Freund, Vereinskamerad, geliebte Bruder oder Cousin ist wie früher. Der nahe Tod verändert nicht ihre Beziehung zueinander! Seien Sie der, der Sie sind, verstellen Sie sich nicht. Wenn z. B. Humor bisher ein unverzichtbarer Teil ihrer Beziehung war, sollte das auch jetzt so bleiben – wenn der Kranke ein großer Fußballfan ist, sprechen sie mit ihm über die aktuellen Bundesliga-Ergebnisse. Wenn Sie sich bisher einmal im Monat getroffen haben, sollten Sie der Versuchung widerstehen, ihn nun jeden zweiten Tag besuchen zu wollen – andere Angehörige könnten dieselbe Idee haben, und zu viel Besuch kann sowohl den Kranken als auch die Pflegekräfte belasten. Eine passende Faustregel: Verdoppeln Sie die Häufigkeit Ihrer Treffen, also z.B. statt einmal im Monat alle zwei Wochen. Fragen Sie im Zweifel das Personal, wie häufig der Kranke Besuch bekommt und was seinem körperlichen Zustand sowie seiner Seelenlage angemessen ist. Wenn Sie mit einer sterbenden Person zusammenleben, gestehen Sie ihr jederzeit zu, ruhig und in sich gekehrt zu sein, wenn sie es möchte, und nehmen Sie es nicht persönlich, wenn sie sich gerade mal nicht mit Ihnen unterhalten will.

Worüber sprechen Sie miteinander?

 Am Ende des Lebens geht es dem Sterbenden weniger um seinen Zustand und um seine Erkrankung als vielmehr um seine Gefühle und die Sorge um die, die er zurücklässt.

Was hilft: Eine gute Gesprächseinleitung ist z. B. die einfache Frage „Wie geht’s?“ (besser als „Wie fühlst du dich?“). Sie können auch fragen: „Worüber möchtest Du gern sprechen?“ Wenn Ihr Gegenüber nicht sprechen möchte, bestehen Sie nicht darauf, sondern akzeptieren Sie es.

Ebenfalls hilfreich:

Wenn Ihnen im Moment die richtigen Worte fehlen, reden Sie nicht irgendwas, sondern schweigen Sie miteinander. Legen Sie Ihre Hand auf die Hand des Kranken, eine Berührung kann mehr sagen als viele Worte.

Wichtig: Wenn der Sterbende in einer Phase ist, in der er seinen Tod ausklammert, indem er z. B. das in wenigen Monaten anstehende Familientreffen anspricht, auf das er sich bereits freut, gehen Sie darauf ein. Lassen Sie in Worten das letzte Treffen noch einmal aufleben, und sprechen Sie über den Spaß, den sie gemeinsam gehabt haben. Viele Menschen haben am Ende ihrer Tage das Bedürfnis, die Erkenntnisse und Weisheiten, die sie in ihrem Leben erworben haben und als wichtig erachten, an die Nachwelt weiterzugeben. Seien Sie ein aufmerksamer Zuhörer. Sie können diese wichtigen Gedanken auch aufschreiben oder mitschneiden.

Zeigen Sie Ihre Gefühle

Sie müssen nicht den Tapferen spielen und ein unerschrockenes Gesicht aufsetzen. Wenn Sie traurig sind, dann zeigen Sie es, denn wenn Sie etwas anderes vortäuschen, könnte dies sogar den Eindruck erwecken, Sie seien womöglich gefühlskalt.

Was hilft: Unterdrücken Sie Ihre Gefühle nicht. Weinen Sie, wenn Sie müssen, sorgen Sie sich nicht, dass der Sterbende dann auch anfangen könnte zu weinen. Vielleicht geschieht das auch, aber es ist nichts Falsches daran, wenn Sie gemeinsam weinen.

Wichtig: Wenn Sie Enkelkinder haben und die Situation es zulässt: Nehmen Sie diese mit ans Krankenbett, und halten Sie sie nicht fern von dieser schmerzhaften Lebenserfahrung. Wie sonst sollen sie später mit einer solchen Situation umgehen und trauern lernen?! Fragen Sie aber im Zweifel das Pflegepersonal, ob Kinder den Kranken sehen sollten, speziell wenn er auf einer Intensivstation liegt. Oft ist dort der Zutritt für Kinder unter 14 Jahren generell verboten.

Und wenn Sie einen Besuch nicht über sich bringen?

Wenn der Besuch an einem Sterbebett eine ganz und gar unerträgliche Vorstellung für Sie ist, bleiben Sie lieber zu Hause. Zeigen Sie Ihre Zuneigung und Anteilnahme mit einer Karte, einem Brief, einem Päckchen oder einer Blumensendung. Auch Fotoabzüge, auf denen Sie gemeinsam zu sehen sind, oder eine CD mit der Lieblingsmusik des Kranken sind geeignete Aufmerksamkeiten. Lassen Sie ihn wissen, wie sehr er Ihr Leben bereichert hat, was Sie an ihm immer geschätzt haben, was sie Tolles miteinander erlebt und was Sie von ihm gelernt haben. Sprechen Sie ruhig auch an, dass das Leben weitergeht und die gemeinsamen Erinnerungen eine stete Quelle der Kraft sein werden.

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